Schneller, höher, älter

Sachsen und der demographische Wandel

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. In vielen Lebensbereichen gilt das olympische Motto „Schneller, höher, weiter“. Dieses Streben nach Höchstleistungen und Jugendlichkeit vernachlässigt, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. Deutschland hat die älteste Bevölkerung in Europa und Sachsen die älteste Bevölkerung in der Bundesrepublik. Diese Entwicklung schreibt sich fort. Im Jahr 2030 sind die Sachsen durchschnittlich 51 Jahre alt. Jeder Zehnte wird 80 Jahre und älter sein. Die Lebenserwartung steigt. Für den Raum Chemnitz sagt Eurostat voraus, dass er 2030 die älteste Bevölkerung aller europäischen Regionen beheimatet. Wir werden nicht nur älter, wir werden auch weniger. Bis 2025 gehen dem Freistaat weitere 9 bis 12 Prozent der Sachsen verloren. Es sind vor allem die Jungen, die fehlen. Nicht ganz so stark, aber mit ähnlicher Tendenz schrumpft und altert Deutschland insgesamt.

Mit Ansage erheblich und nachhaltig

Der demographische Wandel verändert unser Land. Er verändert unsere Gesellschaft erheblich und nachhaltig. Kaum ein Bereich des individuellen und gesellschaftlichen Lebens wird unberührt bleiben. Die wachsende Zahl Hochbetagter wirkt auf den Wohnungsmarkt, den Gesundheitsund Pflegebereich. Die schwindende Zahl Erwerbstätiger verändert den Arbeitsmarkt und das Innovationspotential. Die Kosten für Verkehrs-, Strom-, Trinkwasser- und sonstige Versorgungsnetze steigen für die verbleibenden Nutzer. Die Abwanderung junger Frauen frustriert die "zurückgelassenen“ Männer. Diese Auswirkungen sind absehbar, weil demographische Entwicklungen lange Vorlaufzeiten haben. Die Kinder, die gestern nicht geboren wurden, können heute keine Eltern sein.

Reichlich Konfliktpotential
Ein Gegensteuern ist aufwendig und langfristig. Es erfordert einen weiten Blick über den Tellerrand, enorme Investitionen ohne schnelle Rendite und politische Entscheidungen gegen vordergründige Interessen. Der demographische Wandel ist kein dankbares Thema für das politische Tagesgeschäft, aber für die Zukunft unserer Gesellschaft grundlegend. Gründe genug, den demographischen Wandel in den Fokus der politischen Bildung zu nehmen und zu fragen, wie er sich "Schneller, höher, älter" auf die Politik, unsere Demokratie und das gesellschaftliche Zusammenleben auswirkt?
Das Thema birgt jede Menge gesellschaftlichen Sprengstoff. Unsere Sozialsysteme basieren auf einem ausgeglichenen Verhältnis Jüngerer und Älterer. Das Grundprinzip, wonach leistungsstarke Generationen die schwächeren unterstützen, funktioniert nicht mehr, wenn es immer weniger Leistungsstarke gibt. Ein Widerstreit der Generationen mit ihren unterschiedlichen Interessen ist absehbar. Reichlich Konfliktpotential bieten die Staatsverschuldung, der Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Verteilung gesellschaftlichen Reichtums. Alle Themen betreffen unsere aktuellen Lebensstandards und die Zukunftschancen nachfolgender Generationen.

Lasst uns streiten!
Unsere Gesellschaft muss diese Probleme im Interesse Junger und Alter angehen. Gemäß unserem Jahresthema 2012 „Lasst uns streiten!“ will die Landeszentrale zum Diskurs einladen. Mit dem neuen Jahresthema „Schneller, höher, älter. Sachsen und der demographische Wandel“ wollen wir ein Forum für den Dialog zwischen den Generationen bieten. Die Landeszentrale will 2013 schwerpunktmäßig über die Zukunft unserer alternden Gesellschaft informieren und diskutieren. Notwendig ist das nicht nur wegen der Tragweite des demographischen Wandels, sondern auch, weil sich nur jeder vierte Bundesbürger darüber Gedanken macht und weil der demographische Wandel in Sachsen besonders weit fortgeschritten ist. Zu unserem Jahresthema „Schneller, höher, älter. Sachsen und der demographische Wandel“ gibt es informative und streitbare Publikationen, Veranstaltungen, die Alt und Jung ins Gespräch bringen und einen Internetauftritt, der unsere Angebote bündelt.

Annette Rehfeld-Staudt/ Thomas Platz